(Welt-)Reise-ABC

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In 245 Tagen bin ich um die Welt gereist. Ich kann mich noch sehr gut an das desinteressierte Gesicht der Germanwings-Mitarbeiterin am Stuttgarter Flughafen erinnern, als ich ihr in meiner Aufregung und Vorfreude strahlend mitteilte, dass sie mich gerade zu einer Weltreise einchecke… Seit dem habe ich rund 52.800km mit dem Flugzeug zurückgelegt, bin 12500km Auto gefahren, habe 3700km in Bussen und Zügen gesessen, bin 550km geradelt und ungezählte Kilometer durch Städte und Natur gewandert. Im Schnitt habe ich 3,5 Nächte im selben Bett geschlafen und bin ungefähr jeden zehnten Tag in ein Flugzeug gestiegen.

Für alle Reisefreudigen und Neugierigen unter euch, hier eine kleine Zusammenfassung, wie das Reisen in den letzten Monaten für mich zur Routine geworden ist.

Airbnb: privat über Airbnb zu wohnen und – anders als beim Couchsutfing – dafür zu zahlen kann sehr inspirierend sein. Meine Beobachtung ist leider die, dass Airbnb zunehmend kommerzialisiert wird. Die angebotenen Preise übertreffen teils das lokale Hotelangebot und der Austausch mit den Gastgebern ist nicht immer gewinnbringend.

Booking.com ist mein bevorzugtes Buchungsportal weltweit gewesen – größte Auswahl, beste Preise; schade, dass nur wenige Unterkünfte einen Rabatt bei direkter Buchung gewähren, denn Booking kassiert horrende Provisionen und Mitgliedsbeiträge von den Unterkünften.

Couchsurfing ist eine Erfahrung, die sich für mich (leider) nicht ergeben hat, und die in der Backpacker-Szene erstaunlicher Weise auch so gut wie kein Thema ist.

Devisen in Form von US-Dollar und Euro hatte ich nur sehr begrenzt im Gepäck und die wurden auch nur im absoluten Notfall angetastet. Auf der gesamten Reise hat die Bargeldversorgung am Automaten problemlos funktioniert – mit einer Ausnahme am Flughafen von Hanoi.

Essen ist schon immer mal wieder eine Herausforderung gewesen. Wie gut, dass ich offenbar einen stabilen Magen habe und alles mag. Alles außer angebrütete Enteneier, Vogelnester, Insekten, …………..

Friseur!“ war meine Antwort, wenn ich vor der Reise gefragt wurde, wovor es mir am meisten graut. Davon bin ich geheilt, das klappt auch ohne Sprachkenntnisse – man muss nur flexibel bleiben… Und merke: in Asien auf keinen Fall an meinem Mittwoch die Haare schneiden lassen !!

In meinem Gepäck gab es (neben all dem üblichen Zeugs) vier wichtige Dinge: ein kleines Kissen, ein bestimmtes Buch, eine Blechtasse und Nescafé-Tütchen. Kissen und Buch wurden immer als erstes ausgepackt und danach Kaffee gekocht. Dieses Ritual hat jedes Hotelzimmer und jeden Schlafsaal ganz schnell zu einem heimischen Ort gemacht – sehr wichtig, wenn man täglich umzieht.

Hostelworld ist gut, um sich einen Überblick über das Hostelangebot an einem Ort zu verschaffen. Allerdings zahlt die Unterkunft UND der Gast Provision; also besser nur die erste Nacht hier buchen und bei der Verlängerung vor Ort weniger zahlen.

Instant-Nudelsuppen waren als Nahrungs-Backup immer im Gepäck und schmecken in Polen reichhaltiger als in Vietnam. Als Reisender wurde ich zum Experten… 😉

Kreditkarten-Zahlungen waren in Asien weitestgehend unüblich, in allen anderen Ländern aber der Standard, auch für kleinere Beträge.

Landkarten sind für mich DAS Mittel zur Orientierung. Ich liebe es, den Blick „von oben“ auf das große Ganze zu haben, mir das Muster einer Stadt oder einer Region einprägen zu können und mich so zu orientieren. Zum Glück gibt es Googlemaps, sonst hätte ich jetzt einen Koffer voller Faltpläne. Viele Leute wissen nicht, dass die Lokalisierung auf Googlekarten auch im Offline-Modus funktioniert, sofern man vorher in die benötigten Kartenbereiche gezoomt hat, während man online war. Mit dieser Funktion habe ich in San José so einigen Taxi-Fahrern den Weg gezeigt (und teure Umwege verhindert) und wusste immer, wo ich einen Bus verlassen muss, auch wenn der nächste Halt wie so oft nicht angesagt wurde. In vielen Ländern und größeren Städten funktioniert die Verbindungssuche für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr mit Google ganz hervorragend – so spart man sich zum Beispiel das teure Taxi bei der Ankunft an Flughäfen und kann sich ganz kompetent in die Schlange an der nächsten Bushaltstelle einreihen. Allerdings sagt die Google-Karte nichts über den Zustand der Straßen aus. In Island und Costa Rica musste hat mich das einige Nerven gekostet…

Mietwagen-Firmen habe ich nun gefühlt jede einzelne getestet. Einen Favoriten gibt es für mich nicht. Ist bei Firma A auf Hawaii alles bestens, gibt es bei der selben Firma auf Maui nur Ärger. Für die Buchung empfehle ich autoeurope. Dort werden die Preise verschiedener Mietwagenfirmen verglichen und die Agentur legt oft noch eine gute Versicherung ohne Selbstbeteiligung oben drauf.

Eine Notfallkarte mit den wichtigsten Infos über mich und zwei Kontaktpersonen war immer in meiner Tasche – ordentlich laminiert, ich bin schließlich Grundschullehrer 😉

Organisiert hatte ich nur die ersten vier Monate (von Island bis zur Ankunft in Neuseeland). Bis dahin hatte ich bereits in Deutschland zeitlich das meiste durchgeplant und die entsprechenden Flüge gebucht, weil ich in dieser Phase oft Begleitung aus Deutschland hatte, bzw. Freunde und Familie im Ausland besucht habe, was beides eine gewisse Planungssicherheit bedurfte. Alles was nach Neuseeland kam, habe ich sukzessive geplant und organisiert.

Platzwahl im Flugzeug ist ja immer so eine Sache. Ich habe mir angewöhnt, nach Möglichkeit als allerletzter einzusteigen und mir dann die letzte freie Sitzreihe zu krallen. Klappte bei jedem zweiten Flug – aber bloß vorher nicht um Erlaubnis fragen, einfach setzen und unschuldig lächeln… 😉

Reisehinweise des Auswärtigen Amtes waren für mich Pflichtlektüre, bevor ich in ein neues Land eingereist bin. Hier gibt es immer zuverlässige und tagesaktuelle Aussagen zu Einreiseformalitäten, Sicherheit und Gesundheit.

Souvenirs sind für den Langzeitreisenden leider Ballast im Gepäck, wenn man nicht zwischendrin Besuch aus Deutschland hat, der alle Trophäen mit nach Hause Hause schleppen kann. Ich habe mich größtenteils auf Kleidung beschränkt. Für jedes neue Teil musste aber ein altes verschwinden, denn 15kg Gepäck mussten auch 15kg bleiben.

Tickets für Flüge habe ich selbst und online gebucht. Um mir größtmögliche Flexibilität zu erhalten, hatte ich mich bewusst gegen ein sogenanntes „Round-The-World“-Ticket eines bestimmten Airline-Verbundes entschieden. Die Einzelbuchung aller Flüge war zwar etwas aufwendiger, unter dem Strich aber nicht teurer. Um akzeptable Preise zu erhalten, musste ich Langstreckenflüge circa zwei bis drei Monate im Voraus buchen, auf Kurzstrecken habe ich in Nordamerika und Asien aber auch sehr kurzfristig noch günstige Preise bekommen (eine gewisse Flexibilität bzgl. der Flugpreise und Airline vorausgesetzt). Als beste Buchungs-App hat sich Scyscanner bewährt. Hier bekommt man einen guten Überblick über die Airline- und Routenangebote zu günstigen Preisen; einmal für einen Flug entschieden, habe ich in den meisten Fällen dann direkt bei der Airline gebucht statt über die von Skyscanner angebotenen Internetreisebüros, die sich überall auf der Welt befinden und nicht immer den seriösesten Ruf haben.

Unterkünfte wurden erfahrungsgemäß immer günstiger, je spontaner ich buchte. Der Poker, mit einer Buchung bis zum Tag der Anreise zu warten, zahlte sich oft mit unschlagbaren Lastminute-Preisen aus. In Hostels zahlte es sich meistens aus, direkt vor Ort oder per eMail zu buchen, um günstigere Preise zu erhalten. Hotels und Gästehäuser waren vor Ort hingegen manchmal teurer als auf den bekannten Buchungsseiten des Internets.

Wifi und Web ersetzen das Wörterbuch und viel Fragerei. So ist das nun mal, wer drauf verzichtet macht sich meiner Meinung  das Reisen schwer. Holt euch in jedem Land eine Sim-Card fürs Smartphone – kostet wenig und bringt großen Nutzen. Nur wie entsorgt man die Dinger bloß vernünftig?!

Zum Schluss: Danke an alle, die real, virtuell und in Gedanken mit mir gereist sind. 🙂

Auch an der Ostsee gibt es schöne Sonnenuntergänge - aber auf Hawaii gibt es sie täglich ;-)

Auch an der Ostsee gibt es schöne Sonnenuntergänge – aber auf Hawaii gibt es sie täglich ;-)

 

 

Kommentare

  1. Ausdrucken – einfach ausdrucken!
    Oder die gesamten Reiseeindrücke plus Fotos in einem Buch veröffentlichen!
    Das wärs doch!!!!!!!!

    Leider bin ich zu alt zum Nachmachen;-((

  2. Lieber Basti!
    Jetzt bin ich nach längerer Zeit endlich mal wieder dazu gekommen mir deine letzten Reiseberichte durchzulesen. Wie immer gemütlich zu Hause, mit einer Tasse Kaffee während die Kinder schlafen. Und nachdem ich dir jetzt sage, wie sehr ich dich um deine Erlebnisse und diese wahnsinnige Freiheit beneide, möchte ich mich ganz herzlich bei dir bedanken! Dafür, dass du dir während der letzten 8 Monate die Mühe gemacht hast, deine tollen Erfahrungen mit uns zu teilen! Du hast uns Daheimgebliebene ein klein wenig mit dir mitreisen lassen und das war einfach fantastisch. Auf jeder deiner Etappen habe ich mitgefiebert und immer wieder schmunzelnd und freudestrahlend vor meinem Laptop gesessen! Danke dafür!!!
    So, und jetzt freue ich mich auf ein Wiedersehen!

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