Welcome to Calfornia

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Vom Crater Lake in Oregon nach Fort Bragg in Kalifornien. 412 Meilen (663 km) mit Stopp in Selma, Oregon. Zwei Orte, in denen wir gar nicht sein wollten und ein Roadtrip, der einem die drei wichtigsten Fragen des Reisens vor Augen hält: Wo schlafe ich? Wo esse ich? Wo gehe ich aufs Klo? Ich habe lange über eine Rangfolge nachgedacht, aber das variiert mit dem gerade aktuellstem Bedürfnis… Aber von vorn und heute mal ganz persönlich und ausführlich:
Vom Crater Lake musste es an die kaliforsche Küste weitergehen, und das nicht all zu langsam, denn Freitag muss das Auto (mittlerweile nicht nur fahrbarer Untersatz, sondern auch Wohnzimmer, Esszimmer, Speisekammer und Kleiderschrank; seit meinem Bad im Crater Lake trocknet mein Schlüpper auf der Hutablage) in San Fransisco sein.
Bereits am Crater Lake stellten wir einen gewissen Nahrungsengpass fest, es war schon spät am Tag, ein Stopp im Supermarkt unnötige Zeitverschwendung, wenn man doch die 30 Grad und Sonnenschein wenigstens noch ein bisschen vor Sonnenuntergang genießen möchte, so dass wir einen Campingplatz mit Versorgungsmöglichkeit suchten. Die Wahl fiel auf das Lake Selmac Resort, auf der Homepage beworben mit besonders sauberen sanitären Einrichtungen, Supermarkt und allerlei Annehmlichkeiten. Möglicherweise hat das Log Cabin Camp-Resort in Washington unsere allgemeinen Erwartungen zu hoch geschraubt… Das Resort am Selmac Lake hat jedenfalls die besten Zeiten schon hinter sich, der Store geschlossen, die Sanitärobjekte besch…eiden. Das Wohnzimmer von Al Bundy ist halt auch nicht das Parkhotel. Aber: W-Lan im Zelt!!

  
Zur Nahrungssuche also in den Ort Selma – ähnliches Bild wie auf dem Campingplatz. Geschlossene Läden, verrammelte Gastronomie. Ein einziger Pub&Grill geöffnet. Wer die Simpsons guckt, stelle sich bitte Moe’s Tarverne vor! Eine gealterte, blondierte, aber taffe Wirtin hinter dem Tresen, davor echte nicht mehr ganz frisch aussehende Kerle, im Hintergrund Musik aus der Jukebox, kurze Showeinlage (ein großer Dicker und ein kleiner Dicker catchen auf dem Boden, die Blondierte geht dazwischen, der Im Gesicht tätowierte Typ holt schon mal mit dem Billard-Queue aus – der große Dicke siegt, der kleine Dicke wird vor die Tür gesetzt, alles easy) der Tresenrand mit Leder gepolstert. Bei aller anfänglicher Überwindung für diesen fiesen Laden – die Burger schmecken fantastisch und beim Abschied winken uns einige Gäste freundlich lachend zu. Ich hätte die Szenerie gern fotografiert, hatte aber Schiss vor dem Tätowierten mit dem Queue! 😉  

 
Nach einer kühlen Nacht im Zelt Frühstück auf dem Campingplatz. Inzwischen besitzen wir einen kleinen Minitauchsieder und ein Verlängerungskabel mit amerikanischen Steckern. Es gibt also Kaffee zum Frühstück! Und Nudelsuppe (die im Plastikbecher, wo man nur heißes Wasser draufgießen muss) mit Toast – man passt seine Ansprüche der Umgebung an.   

Heute ist Meilenschruppen die Devise. Kalifornische Grenze, vor Crescent City die ersten Riesen der Redwoods (sooooooo große Bäume!), in Crescent City ein kurzer Blick aufs Meer. Warum Essen kaufen? Wir sind in Amerika, da gibt es an jeder Ecke was! Von wegen, jetzt beginnt die Fahrt ins nichts, weiter auf engen Straßen an noch mehr Baumriesen vorbei. 

  
In Eureka endlich ein schneller Burgerstopp und das blauäugige Ziel, „mal eben“ einen großen Sprung über die 101 und weiter auf der 1 an den nächsten Küstenabschnitt zu machen. Merke 1: Wenn du Googlemaps benutzt, dann achte auf den Maßstab! Merke 2: Wenn du schon nicht auf den Maßstab achtest, dann geh vorher noch mal aufs Klo. In den vier Stunden Fahrt bis zur Küste begegneten uns viele geschlossene Läden und Cafés, geöffnet nur Kitsch-Shops ohne Restrooms. Die ersten 22 Meilen des Highway 1 haben es in sich. Eine Haarnadelkurve nach der anderen, Berg und Tal durch den Wald. Markiert man diesen Streckenabschnitt bei Google, dann sieht die blaue Markierung so aus, als würde die Straße Loopings machen. Und so fühlt es sich auch an.

 Die Belohnung nach 35 km Achterbahn ist ein spektakulärer Sonnenuntergang am Meer. Gefolgt vom dritten grundlegenden Bedürfnis – dem Schlafplatz. Wie weit ist es noch gleich bis Rockport, unserem heutigen Tagesziel? Oh schon dran vorbei. Waren das etwa diese zwei Häuser, an den wir bei 187. Kurve vorbeigekommen sind?! Ein traumhaft am Meer gelegener Sonnenuntergangs-Campingplaz schafft dank Plumpsklo zwar Abhilfe bei Bedürfnis 2, ist aber für die Nacht keine Lösung. Erstens ist es bereits um 18:30 Uhr mit 14 Grad schon äußerst frisch (und die Schlafsäcke zu dünn) und zweitens ist die Speisekammer hinter dem Fahrersitz viel zu leer. Und so kommt es dazu, dass wir gute 20 Meilen der vermutlich wunderschönen kalifornischen Küste im Dunkeln zurücklegen. Zwei Unterkünfte gibt es auf dieser Strecke. Das erste Hotel ist verschlossen, eine Telefonnummer an der Tür, aber kein Netz auf dem Telefon. Die zweite Möglichkeit zum Glück ausgebucht – eine Luxusranch. Sehr schick. Zimmerpreise ab 350$. Unser Zelt im Kaminzimmer aufschlagen? Nein, das ging leider nicht.
Und so sind wir in Fort Bragg gelandet, gute 50 Meilen weiter südlich als geplant. Lisa von der Super-8-Motel-Rezeption empfängt uns engelsgleich und gibt uns gut gelaunt das Zimmer mit dem allerbesten Blick. Und das auch noch zum ultragünstigen Seniorentarif!!!! Wow! Meine zaghafte Frage, ob in Kalifornien auf der Straße geraucht werden dürfte, beantwortet sie mit „Was willst du denn rauchen?“.
Womit wir wieder bei Bedürfnis 1 wären. Hunger. Lisa hat eine Empfehlung für uns. Gleich unten im Hafen. Über sehr dunkle Stufen am Hang von der Brücke zum Hafen stolpernd bedauern wir, dass wir nicht wie jeder gute Amerikaner das Auto genommen haben. Aber dann…. um 21:09…. endlich auch die Lösung des letzten Bedürfnisses in Sicht, im Restaurant stehend (Please weit here, you will be seated), kommt die Bedienung mit Besorgnis erregendem Gesichtsausdruck auf uns zu…. „Sorry, the kitchen is already closed!“. Unser Gesichtsausdruck wäre ein Selfie wert gewesen….

   
 

Kommentare

  1. Habe den ausführlichen Bericht mit Spannung gelesen, klingt sehr abenteuerlich, was ihr alles erlebt habt! Freue mich immer wieder das du uns mit deinen Berichten und Bildern an deiner Reise teilhaben lässt

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